Bundesverdienstkreuz für Medienfrau Margret Wittig-Terhardt

Stuttgart | 09.08.2017 | Staatssekretärin Petra Olschowski: „Wir brauchen Menschen wie sie“
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Staatssekretärin Petra Olschowski überreichte in Vertretung von Ministerpräsident Winfried Kretschmann das Bundesverdienstkreuz am Bande an Margret Wittig-Terhardt, eine der ersten Karrierefrauen in den deutschen Medien.
 
„Margret Wittig-Terhardt hat sich in vielfältiger Weise über lange Jahre umfangreich und über das übliche Maß hinausgehend für unser Gemeinwesen engagiert“, sagte Staatssekretärin Petra Olschowski am 4. August in Stuttgart. „Sie ist eine Vorkämpferin für die Gleichstellung in der Bundesrepublik Deutschland. Von den ersten Frauenmedientreffen beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk bis zur heutigen Institutionalisierung des Themas Gleichstellung durch Beauftragte für Chancengleichheit war es ein langer Weg. Ich danke Margret Wittig-Terhardt, dass sie diesen Weg maßgeblich geprägt hat“.

Pionierin der Gleichstellung beim SWR

Wittig-Terhardt war von 1962 bis 1994 beim Süddeutschen Rundfunk tätig. Unter rund 130 Personen, die in den damaligen Geschäftsleitungen der Sender Leitungspositionen einnahmen, war sie die einzige Frau. Sie forderte unter anderem bessere Aufstiegschancen, faire Bezahlung, Mitsprache in Gremien und Jurys sowie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
 
Seit 2006 engagiert sich Wittig-Terhardt als ehrenamtliche Sterbebegleiterin im Hospiz St. Martin in Stuttgart-Degerloch. Sie stellt sich in außerordentlichem Maße, auch in den späten Abend- und frühen Morgenstunden, für die Begleitung von Sterbenden zur Verfügung. Mit ausgeprägtem Respekt tritt sie den Menschen, die sie begleitet, gegenüber. Staatssekretärin Olschowski: „Wir brauchen Menschen wie sie, die die Initiative ergreifen, und denen das Schicksal ihrer Mitmenschen nicht gleichgültig ist.“

Im Fokus: Kinder und karitative Projekte

Ein großes Herz für Kinder zeigt Wittig-Terhardt im Verein „Kind e.V. Dachverband“, der sich die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf zum Ziel gesetzt hat. Zudem war sie maßgeblich an der Gründung der „element-i Bildungsstiftung“ beteiligt. Hinzu kommt Wittig-Terhardts langjähriges Engagement in ihrer Kirchengemeinde St. Konrad Stuttgart und verbundenen Institutionen und Stiftungen. „In diesen Aufgaben hat sich Wittig-Terhardt konsequent mit der gleichen Akribie und Hingabe karitativen Projekten gewidmet, wie in ihrer beruflichen Rolle als Justiziarin und Direktorin der Medienpolitik“, so Olschowski abschließend.

Die Verleihung fand am Freitag, 4. August 2017, in den Räumen des Hospiz St. Martin der Diözese Rottenburg-Stuttgart statt. Wittig-Terhardt erhält die Auszeichnung für ihr langjähriges Engagement im sozial-karitativen Bereich.

Medienlaufbahn: Referentin, Justiziarin, Finanzdirektorin

Margret Wittig-Terhardt wurde am 17. September 1934 in Rhede/Borken geboren. Sie studierte Rechts- und Staatswissenschaften an den Universitäten Bonn und Freiburg mit den Nebenfächern Kunstgeschichte und Literatur. Später war sie lange Jahre als Lehrbeauftrage an der Universität in Hohenheim.

Ab 1962 arbeitete sie beim Süddeutschen Rundfunk (jetzt: Südwestrundfunk) zunächst als Referentin, ab 1972 als Justiziarin und von 1990 an zugleich als Finanzdirektorin. Sie beendeten ihre Laufbahn dort nach über 30 Jahren im Jahre 1994. Im Jahr 1970 leitete sie die AG Rundfunkgebührenrecht und hatte in dieser Funktion entscheidenden persönlichen Anteil an der Schaffung der Gebühreneinzugszentrale (GEZ).

Von 1972 an, ab 1985 dann als Vorsitzende, hatte Margret Wittig-Terhardt in der sog. „Postkommission“ entscheidenden Anteil an der Erarbeitung eines umfassenden, auch finanziell weitreichenden Vertragswerkes zwischen Rundfunk und Deutscher Bundespost (später Deutsche Telekom). Als Justiziarin des Süddeutschen Rundfunks führte Frau Wittig-Terhardt mit Engagement und Weitsicht das Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht, in dem dieses 1987 mit dem sogenannten „Baden-Württemberg-Beschluss“ dem Ansinnen des Gesetzgebers entgegen trat, dem damaligen Süddeutschen Rundfunk die Veranstaltung regionaler und lokaler Programme zu verbieten.

Quelle: MWK Baden-Württemberg
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